J. S. Bach, Johannespassion BWV 245

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Sonntag, 24. März 2013 - 19.00 Uhr
Liebfrauenkirche Ehingen

Fanie Antonelou, Stuttgart | Sopran
Kathrin Koch, Weinstadt | Alt
Christian Wilms, Stuttgart | Evangelist
Petteri Falck, Ulm | Jesus
Gerhard Späth, München | Bass
Chor der Stadtpfarrkirche St. Blasius
Süddeutsche Kammerphilharmonie
Dr. Wolfgang Steffel, Ulm | Gedanken zur Passion
KMD Volker Linz | Leitung


Bachs Johannespassion ist eine der großartigsten Passionsvertonungen aller Zeiten. Die Musik, eine barocke Klangrede, spricht gleichermaßen von Leid und Leidenschaft, passio und compassio. Neben die Passionserzählung aus dem vierten Evangelium treten Arien, Chöre und Choräle. Sie unterbrechen die Handlung, loten sie auf ihre geistliche Tiefe hin aus und wollen dabei im barocken Sinne „belehren“ (docere), „bewegen“ (movere) und „erfreuen“ (delectare), um so die Identifikation zwischen dem Leiden Jesu und dem Hörer zu stiften. Die Nachfolge Jesu nimmt in der Johannespassion eine zentrale Rolle ein: Zum einen wird uns durch die Verleugnung des Petrus die gescheiterte Nachfolge vor Augen geführt. Zum anderen wird vom „anderen Jünger“ berichtet, der Jesus nachfolgt, unter dem Kreuz ausharrt und schließlich Zeugnis ablegt. Er verkörpert die geglückte Nachfolge. So stellt Bach mit seiner Musik die Forderung an den Hörer: Hören, Nachdenken, Glauben. Die Passion ist geschehen, damit wir erlöst und befreit sind und damit wir in die Nachfolge Jesu eintreten.
Mittwoch, 6. März 2013 - 20.00 Uhr
Marienheim Ehingen

Über den Bach Kidron
Spirituelle Einführung in die Johannespassion von J. S. Bach

Vortrag mit Dr. Wolfgang Steffel und KMD Volker Linz

300 Besucher erleben in der Liebfrauenkirche die Johannespassion


Berührend und grandios war die Aufführung der Johannespassion von Bach durch den Chor der Stadtpfarrkirche St. Blasius mit Solisten und der Süddeutschen Kammerphilharmonie in der Liebfrauenkirche.

Südwestpresse vom 26. März 2013


Ostern bedeutet nicht nur Verkehrsstau und Schokoladenhase. Das Osterfest hat aus christlicher Sicht auch etwas mit dem Leiden und dem Leben zu tun. Und zwar in dieser Reihenfolge. Am Anfang der Karwoche erinnert die Passionsgeschichte daran, dass die Tiefe des Lebens nicht im Shoppen oder im Aufregen über den Schnee zu Ostern liegt. Die Johannespassion des Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach zählt dabei zu den großartigsten Passionsvertonungen der Musikgeschichte.

In der Liebfrauenkirche ließen sich etwa 300 Konzertbesucher von dem Evangelienbericht berühren und empfanden mit der Musik die Geschichte um den sterbenden Jesus nach. Es sei eine barocke Klangrede, aus der gleichermaßen Leid und Leidenschaft spreche, meinte Kirchenmusikdirektor Volker Linz in der Ankündigung zum Konzert. Diesen beiden Aspekten wurde der Chor der Stadtpfarrkirche mehr als gerecht. Die Laiensänger wussten die verschiedenen Stimmungen des Orchesterwerkes gut gegeneinander abzusetzen und sangen sowohl die besinnlichen Teile als auch die aufwühlenden Phasen mit großer Empathie. An bildhaften Szenen wie dem Verrat, der Verurteilung oder der Geißelung mangelt es dem barocken Werk nicht. Der Chor sang beispielsweise die hektisch keifende Musik, die der Komponist dem Volk vor dem Richthaus des Pilatus zuschreibt, genau so scharf, wie man sich eine aufgewühlte Menge vorstellt. Fein gesungene Choräle unterbrachen das Evangelium, dem Johann Sebastian Bach noch eigene Gedanken hinzugefügt hatte.

Eine große Bedeutung kommt in der Johannespassion auch den Solisten zu. Am beeindruckendsten war dabei der Stuttgarter Tenor Christian Wilms, der mit wunderbar kräftiger Stimme den Part des Evangelisten sang. Mit voll tönender Erzählstimme beschrieb er als Evangelist, wie sich der Zorn der Menge auf Jesus entlud und der Oberhauptmann ihn zum Hohepriester führt. Christian Wilms konnte aber auch die todtraurigen Worte, mit denen die Verleugnung durch Petrus beschrieben wurde, mit bewegender Jämmerlichkeit singen.

Durch eine Erkrankung fiel der Bass in der Aufführung aus. Diesen Part übernahm Petteri Falck aus Ulm, der auch die Rolle des Jesus sang. Die beiden Frauenstimmen kommen in der Johannespassion vergleichsweise wenig zum Einsatz. Aber ihre Arien sind im Ganzen umso effektvoller. Die Sopranistin Fanie Antonelou sang die Arie "Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten" zu den Querflöten zart und einfühlsam. Zu den innerlichsten Momenten gehörte die Arie der Altistin Kathrin Koch, die das abgründig traurige "Es ist vollbracht" hauchte. Begleitet wurde sie dabei nur vom Kontrabass, der Orgel und dem Cello. Die Ergriffenheit ging auf die Konzertbesucher über, als Christian Wilms "Und neiget das Haupt und verschied" sang. Zwischen dem ersten und zweiten Teil der Komposition gab Dr. Wolfgang Steffel den Zuhörern einige Gedanken zur Passion mit auf den Weg. "Die Passion zeigt uns, was Gott für uns tut", meinte der Dekanatsreferent.

Nach dem letzten verklungenen Ton zeigte eine lange Stille, dass die Zuhörer bis zum Schluss mitgefühlt hatten. Als Volker Linz den Taktstock langsam aufs Pult legte, brandete der Applaus begeistert auf.

CHRISTINA KIRSCH