Als die Nachricht um die Erde lief

Als die Nachricht um die Erde lief, Gott sei aus der Kirche ausgetreten,
Wollten viele das nicht glauben. Lügenpropaganda und Legende, sagten sie.
Bis die Oberen und Mächtigen der Kirche sich erklärten
Und in einem sogenannten Hirtenbrief folgendes erzählten:

Wir, die Kirche, haben Gott, dem Herrn, in aller Freundschaft nahegelegt,
Doch das Weite zu suchen, aus der Kirche auszutreten
Und gleich alles mitzunehmen, was die Kirche immer schon gestört hat:
Seine Leichtigkeit, und vor allem Liebe, Hoffnung und Geduld.
Seine alte Krankheit, alle Menschen gleich zu lieben.
Seine gottverdammte Art und Weise, alles zu verzeihen und zu helfen,
Sogar denen, die ihn stets verspottet. Großzügig bis zur Selbstaufgabe...
Darum haben wir, die Kirche, ihn und seine große Güte unter Hausarrest gestellt.
Möglichst weit entlegen, dass er keinen Unsinn macht
Und kaum zu finden ist.

Viele Menschen, als sie davon hörten, sagten, ist doch gar nicht möglich:
Kirche ohne Gott. Gott ist doch die Kirche, Gott ist doch die Liebe.
Und die Kirche ist die Macht - und es heißt die Macht der Liebe.
Andere sprachen: Auch nicht schlecht. Kirche ohne Gott, warum nicht?
Kirche ohne Gott ist doch gar nichts Neues. Gott kann sowieso nichts machen...
Doch den größten Teil der Menschen sah man hin und her
Durch alle Kontinente ziehn. Und die Menschen sagten: Gott sei Dank.
Endlich ist ER frei. Kommt, wir suchen ihn!!

Hans Dieter Hüsch

"Sich dem Treiben der Welt entziehen."

- Propstei St. Gerold

Grenzerfahrungen

Es wird Zeit, mal wieder frische Bilder einzustellen - zahlreich waren in diesem Jahr die Höhenmeter und stark die Impressionen, die es in der Bergwelt zu erleben gibt.
Ein Muss für alle, die sich den Berg hinaufquälen, ist zweifellos das Stilfser Joch. Ich habe Anfang August 2015 die Anfahrt über den Umbrailpass gewählt, was sich als wunderschön und sinnvoll erwiesen hat. Wer die Stille und Einsamkeit sucht, ist auf dem Stilfser Joch jedoch fehl am Platze. Unglaublich, welch ein Rummel und Treiben auf über 2700 mtr. Höhe herrscht. Die Bergwelt genießen, von ihr fasziniert sein, ist da kaum möglich.

Eine Welt für sich ist das Kaunertal in Tirol. Den Gletscher auf 2700 mtr. Höhe habe ich zwar nicht erreicht, jedoch das Gepatschhaus auf 1900 mtr. Höhe. Von dort hatte man einen tollen Blick auf den Gletscher nach oben, auf den Stausee nach unten und auf die Kuh, die sich auf der Gästeerrasse sichtlich wohl fühlte und die Tischdekoration auffraß.
IMG_0380
IMG_0386IMG_0446IMG_0432




Täglich zu singen

Ich danke Gott, und freue mich
Wie 's Kind zur Weihnachtsgabe,
Daß ich bin, bin! Und daß ich dich,
Schön menschlich Antlitz! habe;

Daß ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen,
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen;

Und daß mir denn zumute ist,
Als wenn wir Kinder kamen,
Und sahen, was der heil'ge Christ
Bescheret hatte, amen!

Ich danke Gott mit Saitenspiel,
Daß ich kein König worden;
Ich wär geschmeichelt worden viel,
Und wär vielleicht verdorben.

Auch bet ich ihn von Herzen an,
Daß ich auf dieser Erde
Nicht bin ein großer reicher Mann,
Und auch wohl keiner werde.

Denn Ehr und Reichtum treibt und bläht,
Hat mancherlei Gefahren,
Und vielen hat's das Herz verdreht,
Die weiland wacker waren.

Und all das Geld und all das Gut
Gewährt zwar viele Sachen;
Gesundheit, Schlaf und guten Mut
Kann's aber doch nicht machen.

Und die sind doch, bei Ja und Nein!
Ein rechter Lohn und Segen!
Drum will ich mich nicht groß kastein
Des vielen Geldes wegen.

Gott gebe mir nur jeden Tag,
Soviel ich darf zum Leben.
Er gibt's dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt er's mir nicht geben!


Matthias Claudius

Quadratur des Kreises

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.